Pflegeberatung: gut beraten – besser leben

Immer, wenn es ihre Gelenke zulassen, absolviert die 89-Jährige Frau S. Gleichgewichts- und Kraftübungen. Mit zwei Wasserflaschen als Hanteln trainiert sie ihre Arme. Oft machen sie und ihre Tochter, die sich täglich um sie kümmert, gemeinsam Gymnastik. Nach getaner Arbeit schaut Frau S. auf ihren Trinkfahrplan: Heute schon genug getrunken?

Dass sie heute so gut allein in ihrer Wohnung zurechtkommt, verdankt sie den wertvollen Tipps der Pflegeberatung der Pflegediakonie in Kummerfeld. „Ohne meine Tochter, die sich täglich um mich kümmert, würde es nicht funktionieren“, sagt Frau S und fügt hinzu: „Aber ohne Frau Neumann und ihre Ratschläge auch nicht.“

Meike Neumann ist Pflegeberaterin der Pflegediakonie. Sie zeigt pflegebedürftigen Menschen, wie das Leben auch bei Krankheit und im Alter zu Hause lebenswert wird. Dazu gehören formale Abläufe wie Beantragung einer Pflegestufe und die gesetzlich festgelegten Beratungsgespräche. Aber die Unterstützung geht weit darüber hinaus. In Hausschulungen bringt sie pflegenden Angehörigen bei, Pflege kräfteschonend durchzuführen. Mit dem Bewegungskonzept Kinaesthetics verhilft sie selbst sehr eingeschränkten Menschen zu neuer Beweglichkeit und Selbstständigkeit. Und mit ihrem Wissen über Aromapflege – die Wirkung und Anwendung ätherischer Öle – lindert sie so manche seelischen und körperlichen Qualen. So wie bei Frau S., der eine Beinmassage mit einer Ölmischung aus Mandel und Lavendel, zweimal wöchentlich angewendet, eine große Erleichterung bringt. „Wir hätten doch all diese Dinge nicht gewusst! Frau Neumann hat für jedes Problem eine Lösung. Sie kann mir sagen, wo ich welche Schuhe bestellen soll, welche Übungen ich machen muss, damit ich nicht falle – sie ist so fürsorglich, sie könnte glatt meine Tochter sein“, lacht Frau S., die in ihrer Freizeit gern Rätsel löst – am liebsten besonders anspruchsvolle Zahlenrätsel.

Individuelle Beratung

So individuell, wie die Ratschläge auf Frau S. zugeschnitten sind, geht es bei allen Kunden der Pflegeberatung zu. „Was bei dem einen hilft, zeigt bei dem anderen keine Wirkung. Aber dafür, diese kleinen individuellen Hilfsmittel und Tricks herauszufinden und zu vermitteln, sind wir ja da“, erklärt Meike Neumann die wichtigste Aufgabe einer Pflegeberatung. Die Beratung ist kostenlos, wenn eine Pflegestufe beantragt wurde oder bereits vorhanden ist. Sie deckt alle Bereiche der häuslichen Pflege ab – von der barrierefreien Umgestaltung des Wohnraums bis hin zu Pflegehilfsmitteln und Entlastungsmöglichkeiten. Und sie beinhaltet nicht nur eine Anfangsberatung: Bei bewilligter Pflegestufe 1 oder 2 findet eine gesetzlich vorgeschriebene halbjährliche Beratung statt, bei Pflegestufe 3 beraten die qualifizierten Pflegeberater sogar mindestens vierteljährlich.

Diakonische, christlich orientierte Pflege endet aber nicht an den Grenzen des Gesetzes – und so steht Meike Neumann Frau S. und ihren anderen Pflegekunden auch zwischendurch telefonisch mit Rat und Tat zu Seite oder vereinbart wenn nötig einen Extratermin. Über die Zeit hat sich so ein enges Vertrauensverhältnis zwischen ihr und ihren Kunden aufgebaut.

Wünschenswert ist nach erfolgter Beratung die Kooperation und Motivation ihrer Pflegekunden, das Neuerlernte auch zu beherzigen: „Oft kann ich nur zeigen, wie es geht, die Umsetzung liegt bei den Personen selbst. Deshalb erfüllt es mich mit ganz viel Freude und Stolz, wie Frau S. und ihre Tochter mitarbeiten“, und Frau S. antwortet: „Das ist doch Ehrensache.“

Tour de Glückstadt mit „Diakonie 1“

Tour de Glückstadt mit „Diakonie 1“

Für das Team der Diakoniestation Glückstadt gab es kürzlich eine freudige Überraschung: Ein Spender, der anonym bleiben will, schenkte der Station ein Fahrrad.

Das ist sein Dank für die Unterstützung, die die Schwestern seiner Mutter zukommen lassen. Weil sie nicht nur täglich nach dem Rechten sehen, sondern auch bei den bürokratischen Hürden der Pflegeversicherung halfen, stand plötzlich ein neuer Drahtesel vor der Tür, mitsamt passendem Werbeschild: „Diakonie 1“.

„Pflegeeinsätze in der Stadt mit dem Auto sind manchmal schwierig, das geht jetzt mit dem Fahrrad schneller und stressfreier“, freut sich Stefanie Heinssohn, stellvertretende Pflegedienstleitung der Diakoniestation. Seit Mai ist das neue Zweirad im Einsatz – einen Platten gab es bisher nicht.