Jugend trifft Pflege

Jugend trifft Pflege

Pflege – ein Thema, das Jugendlichen fremd und fern ist? Von wegen. Nahezu alle Konfirmanden, die in der St. Michael-Kirche Moorrege verschiedene Berufsfelder ihrer Gemeinde kennenlernten, haben bereits eigene Erfahrungen gemacht: Die Uroma, zu der regelmäßig ein Pflegedienst kommt. Die Blinddarmentzündung, die eine vorübergehende Krankenpflege erforderte. Die Tante, die einen Schlaganfall erlitten hat. Kein Wunder also, mit wie viel Interesse, Verständnis und Vorwissen die Jugendlichen Martina Neuhaus von der Diakoniestation Elbmarsch lauschten, als diese von ihrer Arbeit berichtete. Schnell wurde den „Konfis“ klar: Medikamentengabe, Verbände wechseln und Spritzen geben ist nur ein Teil der Arbeit – ebenso wichtig ist Feingefühl im Umgang mit älteren Menschen – und die Freude daran.

Aber wie fühlt sich das eigentlich an: alt sein, auf Hilfe angewiesen? Das probierten die Jugendlichen selbst aus – indem sie sich von Martina Neuhaus den Blutdruck messen ließen, ihren Puls fühlten und mit Rollstuhl und Gehwagen einen Parcours aus Treppenstufen und Rampe bestritten. Es war offenbar ganz schön anstrengend, besonders das „Einparken“ des Rollstuhls hat es in sich, wie die jungen Testpersonen feststellten.

„Dieser Tag mit den Jugendlichen war sehr erheiternd und erfolgreich. Unsere Moorreger Konfis sind sehr interessiert und lernen schnell“, stellte Martina Neuhaus zum Abschluss fest. „Sollten sie später einen sozialen Beruf ergreifen, werden sie sicher einen wunderbaren Job machen“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Dem Duft auf der Spur

Dem Duft auf der Spur

Pflegekräfte lernen in Aromapflege-Kurs die Anwendung ätherischer Öle bei pflegebedürften Menschen

Freude durch Orange. Römische Kamille gegen Ängstlichkeit und Rosenblüte für emotionale Öffnung: Wenn ätherische Öle sich in der Luft lösen, wirken sie durch ihre biochemischen Inhaltsstoffe und ihren Duft unmittelbar auf den Menschen. Schon Kaiserin Kleopatra machte sich diese Effekte zunutze – und seit vielen Jahren kommen die natürlichen Substanzen in der Krankenpflege zum Einsatz.

Kürzlich absolvierten Mitarbeiterinnen der Pflegediakonie Hamburg-West/Südholstein eine zweitägige Schulung zum Thema Aromapflege. Denn in der Altenpflege ist die Anwendung um ein vielfaches komplexer als daheim beim Anzünden einer Duftlampe: Wo Öle pflegerisch eingesetzt werden, müssen Herkunft, Wirkungsweise, Indikation und Kontraindikationen bestens bekannt sein. Für die Kursteilnehmerinnen bedeutete dies zwei Tage konzentriertes Lernen in der Großstadtmission Prisdorf. Geleitet wurde der Lehrgang von Stephanie Größel, die seit vielen Jahren als Aromatherapeutin bei der Firma Primavera arbeitet und für sich die Bedeutung von schönen, natürlichen Düften erkannt hat: „Ohne wunderbare Düfte fehlt dem Leben etwas.“

Mit dem richtigen Wissen sind die Öle vielseitig einsetzbar. So verschafft Lavendel fein, aufgetragen auf die Haut, Linderung bei Sonnenbrand. Orangenöl in der Duftlampe bringt eine unbeschwerte Leichtigkeit in den Raum. Andere Öle wiederum wirken gar leicht sedierend oder fördern einen ruhigen Schlaf. In der Pflege von Demenzkranken werden ätherische Öle eingesetzt, da sie unmittelbar auf das emotionale Erleben der Erkrankten einwirken können – auch wenn man die Person mit Worten schon lange nicht mehr erreicht. Viele Kursteilnehmerinnen hatten, begründet durch ihre alltägliche Arbeit, noch ein weiteres Anliegen: Die Anwendung der Aromapflege bei sterbenden Menschen. „Ätherische Öle können an dieser Stelle viel bewirken“, erläutert Stephanie Größel. Wichtig sei auch hier die korrekte Anwendung: „Vielleicht braucht es ein Öl, das das Loslassen fördert. Oder aber Familienangehörige werden dabei unterstützt, sich noch einmal emotional zu öffnen. Die Anwendung von Körperölen in Form von Massagen gibt zudem durch die Kombination von Berührung und Duft Sicherheit.“

Vieles kann man über ätherische Öle auswendig lernen: Ihre Rezeptur, ihre Herkunft und Gewinnung, ihre biochemischen Inhaltsstoffe. Um sie in der Patientenversorgung anzuwenden, gilt es aber, eigene Erfahrungen zu sammeln. Deshalb wurde während des Kurses selbstverständlich nicht nur gepaukt, sondern hauptsächlich geschnuppert und experimentiert – mit Duftlampen, Kopf- und Armmassagen und sogar bei einer gemeinsamen Duftmeditation. „Ich fühle mich total inspiriert und glaube, vielen meiner Pflegekunden damit in Zukunft etwas ganz besonders Gutes tun zu können“, sagt Claudia Kirschberger von der Diakoniestation Glückstadt/Wilster anschließend.